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Buchempfehlung: Boden behalten

 

Berichte über die steigenden Mieten, über Wohnraum, den man sich kaum leisten kann, über Initiativen, die zu Gegenmaßnahmen aufrufen, sind aus den Nachrichten heutzutage nicht mehr wegzudenken. Auch Brigitta Gerber und Ulrich Kriese setzen sich in ihrem Buch «Boden behalten – Stadt gestalten» mit der Bodenpolitik auseinander und unterbreiten ihrerseits Vorschläge, wie dem rasanten Preisanstieg gegenzusteuern wäre.

Zum Inhalt
Kern des 400 Seiten starken Buchs ist der knappe Wohnraum in den D-A-CH-Ländern, mit Schwerpunkt Schweiz, und die damit verbundene heftige Spekulation mit Boden: In den letzten Jahren sind die Bodenpreise explosionsartig gestiegen. In Berlin zum Beispiel von 2012 bis 2017 um 345 Prozent. Das wirkt sich verheerend auf die Schaffung von leistbarem Wohnraum aus. Und zieht immer neue Spekulanten aus aller Welt an. Denn im ansonsten aktuellen Niedrigzinsumfeld sind kaum so hohe Renditen zu erzielen, wie sie hier locken. Es besteht akuter Handlungsbedarf – auch um des sozialen Friedens willen. Welche probaten Mittel es gibt, um den Preisanstieg zu dämpfen sowie Grund und Boden dauerhaft der Spekulation zu entziehen, mit diesen Fragen beschäftigen sich die Autoren des Buchs. Entstanden sind recht kurze Beiträge, was das Lesen erleichtert. So muss die Publikation nicht von Anfang bis Ende studiert werden, sie eignet sich vielmehr zum selektiven Lesen.

Die Autoren
Die beiden Herausgeber Brigitta Gerber und Ulrich Kriese haben sich in der Vergangenheit federführend für die erfolgreiche Basler Bodeninitiative eingesetzt. Deren Ziel war es, den Ausverkauf städtischer Grundstücke zu stoppen. Von den übrigen mehr als 30 Autoren sind die meisten ebenfalls beruflich oder ehrenamtlich bodenpolitisch aktiv.

Kritik
In den Augen des Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlers Matthias Wiesmann wurde das Buch „für soziale Handwerker ebenso wie für Juristen und politische Philosophen“ geschrieben. Es sei «eine Zusammenstellung von großer Dichte, eine Versammlung weitreichender fachlicher und politischer Kompetenz». Sprachlich ist die Publikation teils heftig rhetorisch aufgeladen und tönt wie eine Streitstrift. Man merkt, dass einige Autoren ihre Zugehörigkeit zur politischen Linken schon durch ihren Schreibstil zu deklarieren versuchen. Ob das die richtige Strategie ist, Leser außerhalb des linken Spektrums abzuholen und zu gewinnen, bleibt fraglich. Neben dem Bezug zu politischen Kampagnen sind jedoch auch grundsätzlichere Analysen im Buch enthalten, die uns alle betreffen. Sei es als Privatperson oder als in der Bauwirtschaft Tätige.

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